PROGRAMM

Parcours (Mi – So ab 16:00)

In diesem Parcours tritt das wunderbar erhaltene Haus als architek- tonisches und historisches Ganzes ins Rampenlicht. Aus der Fülle der vorhandenen Objekte werden einzelne Teile herausgelöst und in ein Verhältnis zur räumlichen Umgebung gestellt. So wird zum Beispiel der riesige Fundus an perfekt erhaltenen Kleidern aus Warenhauszeiten einbezogen. Einzelne dieser unzähligen, in Plastik gut verpackten und gegen Mottenfrass geschützten Mäntel, Blusen, Hosen, Röcke und Korsette in allen Grössen werden aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Im Zusammenspiel mit der szenografischen Gestaltung der einzelnen Räume spielen die Chormusik und die, das Publikum durch das Gebäude lotsenden Klangteppiche eine tragende Rolle. Der eigens für das Haus geschriebene Text «Cheesmeyer: eine Aufzählung» findet sich an ausgewählten Orten des Hauses. Die Flanierenden treffen auf Performances, Klang- und Videoinstallationen und Archivräume, wo Fachkundige zum Gespräch einladen.

Ein Haus zum Träumen, Sinnieren und Entdecken.

Konzept und Umsetzung: Kaspar Geiger, Andreas Daniel Müller, Ladina Bosshard, Jan Gubser, Annatina Huwiler, Aurelia Buchli, Franca Fay Zanetti, Tobias Stückelberger

Cheesfüess
Performance – Irene Maag
Die Künstlerin ist jeweils Sa / So 17:00 – 20:00 anwesend (ausser 28. und 29.8.21)

ZwischenräumeKlanginstallation – Jan Gubser
Katholikenkammer
Lichtinstallation – Annatina Huwiler, Aurelia Buchli

Archivrraum – Maria Kunz
Öffentliches Archiv betreut durch Luisa Tschannen
Anwesend jeweils Sa / So 17:00 – 20:00

Der Botenmord im Bad
Klanginstallation – Jan Gubser, Andreas Daniel Müller

Die Familien des Cheesmeyer
Videoinstallation – Anna Dafne Alessi, Jan Gubser

Der Salon
Klanginstallation – Anna Dafne Alessi

Sleeping Beauty are you fading
Installation – Ladina Bosshard

Archivraum – Helene Bossert
Öffentliches Archiv betreut durch Rea Köppel (Literaturwissenschaft- lerin) und Ueli Fausch (Sohn von Helene Bossert)
Anwesend jeweils Sa / So 17:00 – 20:00

Einst erwachten Schachteln
Klanginstallation – Anna Dafne Alessi, Jan Gubser

Bühne im Dach
Vorstellungsraum – Szenografie Annatina Huwiler, Aurelia Buchli
Hier finden die Theaterstücke und Sonderveranstaltungen statt

Cheesmeyer-Vokalensemble
Performance – Tobias Stückelberger, Jonas Marti, Laurie Hamiche, Luigi Chiaramonte, Nathan Julius
Das Ensemble tritt jeweils Sa / So 17:00 – 20:00 an unterschiedlichen Orten des Hauses auf.

Linde (*1903)
Klanginstallation – Anna Dafne Alessi, Jan Gubser

Unter einer Decke
Videoinstallation – Anna Dafne Alessi, Lorenz Raich

Babel
Installation – Sandra Knecht

«Ich habe sehr oft freiwillige Glaubenszweifel gehabt»

Maria Kunz, Tochter des Hauses, wuchs streng katholisch im Baselland im Hause Cheesmeyer auf. Schon früh rebellierte sie gegen das für sie vorgesehene Leben, wurde erst Lehrerin in der Klosterschule, dann Ärztin und ging 1936 nach Südafrika, um dort als Missonsärztin zu wirken.

Das lang verschollen geglaubte Tagebuch, das nach ihrem Wunsch ungelesen hätte verbrannt werden müssen, wurde gefunden und wird zum Herzstück unseres Abends auf den Spuren von Maria Kunz. Ohne dieses Dokument hätten wir keine Ahnung, was für existentielle Kämpfe sie in ihrer Jugend durchzustehen hatte. Das Tagebuch gewährt uns Einblicke in ihr Innenleben. Ein eigenes Zimmer hatte sie wohl keines – denn sie hatte sieben Geschwister – um so wichtiger muss es für sie gewesen sein, sich einen geschützten Ort, einen Raum zu schaffen, in dem sie all ihre Zweifel, all ihre verbotenen Wünsche und Sehnsüchte ausbreiten konnte. Hier konnte sie die Auseinandersetzung mit sich selbst und den Anforderungen und Erwartungen, die von aussen an sie herangetragen wurden, aufnehmen und im Dialog mit dem Buch verarbeiten.

Stückentwicklung: Kaspar Geiger, Luisa Tschannen, Julia Sewing, Meret Bodamer
Regie: Kaspar Geiger
Szenographie: Annatina Huwiler, Aurelia Buchli
Kostüm: Ladina Bosshard
Assistenz: Franca Fay Zanetti
Technik: Jan Gubser, Jens Seiler
Schauspiel: Julia Sewing, Meret Bodamer
Musik: Jonas Marti, Laurie Hamiche, Luigi Chiaramonte, Lukas Rickli,  Nathan Julius, Tobias Stückelberger 

Ein Stück Lokalgeschichte in Zeiten des kalten Kriegs. Die weitherum geschätzte Mundartdichterin Helene Bossert gerät in einen „Shitstorm“, weil sie die Einladung zu einer Reise nach Moskau mit einer Gruppe von 12 Frauen angenommen hat. Männergremien sitzen zu Gericht, öffentliche Ächtung und Berufsverbot. Der Versuch einer Rekonstruktion und die Annäherung an einzelne ihrer Gedichte.

Stückentwicklung und Regie: Kaspar Geiger
Szenographie: Annatina Huwiler, Aurelia Buchli
Kostüm: Ladina Bosshard
Technik: Jan Gubser, Jens Seiler
Assistenz: Franca Fay Zanetti
Schauspiel: Julia Sewing, Margrit Gysin, Meret Bodamer
Musik: Laurie Hamiche, Lukas Rickli, Nathan Julius, Tobias Stückelberger 

Der eigens für dieses Projekt gegründete Cheesmeyer-Chor besteht aus begeisterten Sänger:innen aus der Region Sissach. Zum Einstieg in den Abend wird die Truppe in Anlehnung an die Geschichte von Maria Kunz ein kurzes Programm aus authentischen südafrikanischen Volksliedern aufführen.

Musikalische Leitung: Tobias Stückelberger 

Die Führung durch das Schaulager des Künstlerpaars Edith und Eugen Häfelfinger-Paschke zeigt die Tierzeichnungen und Tierplastiken der Künstlerin. Die einfachen Werke sind voll innovativer Bewegung. Das Typische der betreffenden Tiere ist herausgehoben. Ihre Modelle findet Sie auf der Weide, im Zoo oder im Zirkus. Die Künstlerin studierte in München und auf der Kunstakademie Dresden, wo Sie Ihren Mann kennenlernte. Sie war ihm Inspirationsquelle und gleichzeitig selber künstlerisch tätig.

Führung: Robert Häfelfinger Senior und Junior

Offenes Atelier und Ausstellungsobjekt von Irene Maag

In der ehemaligen Küche im Cheesmeyer schnitzt Irene Maag aus einem Laib Käse zwei Käsefüsse. Der Herstellungsprozess der Käseskulptur ist öffentlich sichtbar. Zu den Vorstellungszeiten arbeitet sie daran weiter und das Publikum darf die Käseabschnitte essen. Zwischen den Aufführungsabenden werden die Käsefüsse in einem Kühlschrank mit Glastüre präsentiert.

Bei dieser Arbeit verbindet sich der ursprüngliche Käseverkauf, der dem Haus den Namen gab, mit den Schuhen, die ebenfalls zum Verkauf standen. Dazu kommt Irene Maags eigene Geschichte und Werdegang von der Steinbildhauerin zur Performancekünstlerin. Die Käseskulptur ist bedingt haltbar. Die Vergänglichkeit der Skulptur passt zum Ephemeren von Performancekunst.


Lesungen in Kooperation mit dem Verein „loose, rede, läse“ jeweils 20:00

Do. 26.08. Rita Moll «Arme Irre-Geschichten aus vergangener Zeit» 
Die Autorin Rita Moll hat einen Erzählband mit dem Titel «Arme Irre» veröffentlicht. Die darin beschriebenen zehn Geschichten spielen im 19. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um Schicksale von Menschen aus dem Oberbaselbiet und dem Fricktal.

(entfällt!) Mi.  01.09. Thomas Schweizer „Zwischen Chirsipfäffer und Energydrinks“ (entfällt!)
Zahlreiche Bücher, einige Theaterstücke und eine Reihe von kleineren Schriften und Vorträgen zeugen vom reichen literarischen Schaffen des Autors. Thomas Schweizer schreibt über Land und Leute seiner Heimat und über das Verhältnis der beiden Basler Kantone. Vermehrt fliessen auch Altersfragen und Einschätzungen zur Kunst in seine Werke ein.

Fr. 10.09. Franziska Löpfe „La Catherine“
Die Autorin kam 1949 als zweites von fünf Kindern zur Welt. Der Beruf ihres Vaters als Bauingenieur bedingte immer wieder Umzüge, Arbeit fand er vorallem bei Kraftwerksbauten in den Schweizer Bergkantonen. Die Familie lebte im Goms, im Bergell und im Glarnerland. Die Autorin studierte, erwachsen geworden, Psychologie, arbeitete fast vier Jahrzehnte als Psychotherapeutin, hat zwei Kinder.

Mi. 15.09. Benedikt Meyer „Nach Ohio“
Mein Name ist Benedikt Meyer, historische Recherchen sind meine Droge, Heureka-Momente mein Rauschmittel. Daraus ist mein Roman «Nach Ohio» entstanden. Andere historische Geschichten erzähle ich regelmässig auf der Bühne. Daneben schreibe ich historische Texte zu unterschiedlichsten Themen. Und wenn’s dafür nicht reicht, kleine Beobachtungen aus dem Alltag. In meiner Freizeit organisiere ichliterarische Events und treibe allerhand Schabernack.

Fr. 17.09. Linard Candreia «Hanna die Tirolerin»
Linard Candreia wurde 1957 geboren und wuchs im rätoromanisch-deutschen Dorf Casti/Tiefencastel auf. Er schreibt vor allem Kurzgeschichten, auf surmiran und deutsch. Er unterrichtet Sprachen und Geschichte am Progymnasium in Laufen, Baselland, und ist Vizepräsident des kleinen Städtchens an der Birs.

Filmabend mit anschliessendem Publikumsgespräch

Mit seinem Porträt der letzten Heimbandweber im Baselbiet schuf der Waadtländer Filmemacher Yves Yersin einen Meilenstein des Schweizer Dokumentarfilms: einen Essay über soziale Zusammenhänge einer ganzen Region – und ein berührendes Porträt der Menschen hinter den Webstühlen.

Nach der Vorführung gibt es die Möglichkeit, mit SRF-Filmjournalistin Brigitte Häring über den Film zu diskutieren. 

„Einzeln sind wir leichter zu beherrschen, du und ich“ (Kae Tempest)

Ein Haus, ein interdisziplinäres Theaterprojekt, 12 beteiligte Frauen* aus verschiedenen Generationen. Einige von ihnen kommen abseits des Projekts für einen Abend zusammen, um über ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu reflektieren. Im Großen stellt uns die Arbeit in der Kultur alle vor die gleiche Frage: Wie können wir trotz der Konkurrenzsituation in der Kulturszene Solidaritätsmomente erzeugen? 

Sara Ahmed, Autorin und Aktivistin, beschreibt Feminismus als ein „zerbrechliches Archiv“ und „einen Körper, der sich aus Zersplitterung zusammensetzt“. Wir haben verschiedene Hintergründe, sind in unterschiedlichen Epochen geboren, verwenden oft andere Begriffe. Wo holen wir uns zusammen Inspiration? Wie lernen wir transnational, intergenerationell, selbstkritisch und utopisch?

Ein Zusammentreffen mit Margrit Gysin, Irene Maag, Meret Bodamer, Laurie Hamiche, Franca Zanetti. moderiert von Miriam Coretta Schulte

Die Führung gewährt einen Einblick in die Geschichte des Hauses. Sie lernen die grosse kulturgeschichtliche Bedeutung des Cheesmeyers kennen und werden mit dem denkmalpflegerischen Umgang vertraut.

Führung: Brigitte Frei-Heitz, Leiterin der Kantonalen Denkmalpflege BL

Kochen ist für die Konzept-Künstlerin Sandra Knecht ein Versuch, Identität erfahrbar zu machen. Sie bringt auf den Teller, was Region und Jahreszeit hergeben. Das kann auch mal Dachs oder ein Löffel Erde sein. Denn Sandra Knecht geht es nicht ums Geniessen, sondern um die Herausforderung, Heimat geschmacklich zu erkunden.

Im Gespräch mit der SRF-Journalistin Irene Grüter

Ein musikalischer Abschluss mit verschiedensten Formationen aus der Region.

12:00 Saxophonensemble „Silverhorns“ 
13:00 Frauenchor L’heure du Choeur 
14:00 Musikschule Sissach #1
15:00 Musikschule Sissach #2
16:00 Musikschule Sissach #3
17:00 ACCOBELLA TRIO

sowie dem Cheesmeyer-Chor