Die schwarze Spinne

Die Theatercompany «Texte und Töne» bietet für das in den Sommer 2021 verschobene Theaterspektakel «Geld und Geist» eine Alternative: «Die schwarze Spinne» von J. Gotthelf als szenische Lesung unter freiem Himmel.

Die Anordnung einer szenischen Lesung entspricht jener einer Pressekonferenz, ein Format, das anlässlich der Medienauftritte des BAG’s zum täglichen Medienritual wurde. Sechs Schauspieler*innen treten in der Rolle als Vorleser*innen auf. Eine Akkordeonistin und eine Cellistin setzen eigene musikalische Akzente. Die Lesung der Gotthelfschen Novelle

wird ergänzt mit Ausschnitten aus J.Federspiels «Die Ballade von der Typhoid Mary». Neben den bereits gesetzten Spielorten Aesch und Sissach kommt ein weiterer Spielort dazu: das Sonnenbedli in Binningen. Alle drei Gemeinden unterstützen die szenische Lesung; die Kulturkommission Aesch und der Kunstverein Binningen stehen als Kooperationspartner fest. Die Entscheidung, im Rahmen der szenischen Lesung Ausschnitte aus Gotthelfs «die schwarze Spinne» und aus Federspiels « Die Ballade von der Typhoid Mary» vorzutragen, steht in Zusammenhang mit dem, was in Corona Zeiten uns beschäftigt. Die Spinne» glotzt bereits mit ihren verführerischen Augen unternehmungslustig in den bevorstehenden Theatersommer.

In der Novelle von Gotthelf gelingt es den vom Schlossherrn geknechteten Bauern mit Hilfe eines Jägermanns die Gesetze der Natur auszuhebeln und hundert Buchen vom Tal auf felsigen Boden in der Höhe zu pflanzen, in Windeseile. Dass bei Gotthelf eine Frau, eine Landauerin, für den Ausbruch der Seuche verantwortlich gemacht wird, passt zum damaligen Rollenverständnis von Mann und Frau. Fremdenhass und Schuldzuweisungen lagen schon damals nahe beieinander. Gotthelfs Novelle vorzutragen bedeutet zuzusehen, wie eine Gesellschaftsordnung – von einer Epidemie bedroht – auseinanderbricht. Menschen retten ihre eigene Haut, während gleichzeitig ein Kampf mit allen Mitteln gegen das Unheil geführt wird. Bei Gotthelf gibt es kein Entrinnen, es sei denn, die Menschen finden zurück zu einer Ordnung, in der Respekt gegenüber der Natur, den Mitmenschen und gegenüber Gott wiederhergestellt wird. Diesen Weg muss jeder einzelne Mensch gehen: Innehalten, beten, fasten sind Verhaltensregeln, die Erfolg versprechen bei der Bekämpfung der Pest. In unseren Tagen gelten andere Strategien zur Bekämpfung der Pandemie: Distanzhalten, Hygieneempfehlungen, Masken tragen im ÖV…

Ein anderes Bild seiner weiblichen Hauptfigur zeichnet J.Federspiel in seiner Ballade. Als Typhusträgerin, ohne Krankheitssymptome aufzuweisen, verbreitete sie unwissentlich das Typhus Virus in den Staaten des 19. Jahrhunderts. Hier wird eindrücklich gezeigt, wie schändlich eine Gesellschaft mit einer Köchin umgeht, wie sie benutzt, ausgebeutet und missbraucht und zu guter Letzt zur Verbrecherin gemacht wird. Die Rede ist vom Sterben, von Kindsmissbrauch und Verbrechen, und dies alles mitten in Armut und Schmutz von New York des späten 19. Jahrhunderts. Schon damals war Hygiene ein zentrales Thema bei der Bekämpfung der Seuche.

In beiden literarischen Texten treten gesellschaftliche Missstände zu Tage: Ungleichheit und Machtstrukturen werden sichtbar, genauso wie dies heute der Fall ist. Wussten wir vor der Pandemie, dass unsere Wegwerfmöbel Holz aus den letzten Urwäldern Rumäniens enthalten? Oder war uns vor der Krise bewusst, dass Wildtiere die wichtigste Quelle von neuen Infektionskrankheiten sind und dass die Wälder den Lebensraum für 80 Prozent der landlebenden Arten bieten?

Termine

– Sa. 15.8. & So. 16.8.2020 Klus 177, Aesch
– Mi. 19.8. & So. 23.8.2020 Sonnenbad, Binningen
– Sa. 29.8. & So. 30.8.2020 Areal Cheesmeyer, Sissach

Sa. & Mi. jeweils um 20:30 Uhr, So. um 17:00 Uhr. Barbetrieb: ofenfrische Flammkuchen von Stocky und biodynamische Weine aus der Klus 177 von Antoine Kaufmann vor und nach den Vorstellungen.

CHF 20.—
tickets@texteundtoene.ch, 077 511 35 61 oder Abendkasse.

Cast & Crew

Regie & Gesamtleitung Kaspar Geiger | Produktionsleitung Andreas Daniel Müller | Szenographie und Kostümberatung Ladina Bossard | Akkordeonistin Olivia Steimel | Cellistin Karolina Öhman | Outside Eye Miriam Schulte | Schauspiel Alexandra Meier, Sophie Eglin, Peter Zimmermann, Gerrit Neuhaus, Andreas Daniel Müller, Rino Hosennen.